Lass dir das mal auf der Zunge zergehen: Laut Robert Koch-Institut gilt ein Vitamin D-Spiegel ab 20 ng/ml als ausreichend. Also eine solide Schulnote 4. Genügend. Gerade so bestanden.
Übertrage diesen Anspruch mal auf deine Praxis: Ist dein Steri gerade mal ausreichend ausgestattet? Ist dein Personal ausreichend ausgebildet? Ist deine Behandlung ausreichend? Oder hast du hier eher überall ein sehr gut? Falls ja, ist das sicherlich auch dein Anspruch für die Vitamin D-Werte deiner Patienten. Und ein sehr gut liefern dir die offiziellen Referenzwerte von Vitamin D leider nicht.

Inhaltsverzeichnis
ToggleDie offiziellen Vitamin D-Referenzwerte im Vergleich
Vitamin D Referenzwerte in Deutschland vom Robert-Koch-Institut
Vitamin D Wert < 12 ng/ ml – Vitamin D Mangel
Vitamin D Wert 12 – 20 ng/ml – Graubereich
Vitamin D Wert > 20 ng/ml – Ausreichende Konzentration
Diese Werte sind von dem Institute of Medicine, heute National Academy of Medicine, USA, übernommen und zeigen die Einteilung der Serumwerte von Vitamin D für die Knochengesundheit. Bei langfristigen Werten unter 12 ng/ml wird auf ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Osteomalazie und Osteoporose hingewiesen. Der ominöse Graubereich gibt „Hinweise auf eine suboptimale Versorgung mit möglichen Folgen für die Knochengesundheit“. Und Werte über 20 ng/ml seien eben ausreichend für die Knochengesundheit.
Das RKI beruft sich bei diesen Referenzwerten auf die Studienlage von 2012, in der die extraskelettalen Wirkungen (z. B. auf das Immunsystem) als „nicht ausreichend belegt“ galten. Eine Überarbeitung aufgrund der gestiegenen Studienlage? Nope, gibt’s bisher nicht. In Polen zum Beispiel sieht das anders aus.
Vitamin D Referenzwerte für Deutschland vom Robert-Koch-Insititut
Vitamin D Referenzwerte in Polen vom Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit
Vitamin D Wert < 10 ng/ml – schwerer Mangel
Vitamin D Wert < 20 ng/ml – signifikanter Mangel
Vitamin D Wert < 30 ng/ml – suboptimale Konzentration
Vitamin D Wert 30 – 50 ng/ml – optimale Konzentration
Aktualisiert in 2018 geht Polen einen anderen Weg als die anderen europäischen Länder. Sie konzentrieren sich bei ihren Referenzwerten nicht nur auf einen neutralen Knochenabbau, sondern auch auf die präventiven Effekte bspw. in der Schwangerschaft und Stillzeit. Und orientieren sich damit an den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die es inzwischen gibt.
Vitamin D Referenzwerte für Polen vom Nationalen Institut für öffentliche Gesundheit
Wissenschaftlich optimal – aber offiziell ignoriert?
Es ist ein bisschen so, als würdest du dein Behandlungszimmer nach den DIN-Normen von 1995 einrichten.
Studien aus der Zahnmedizin der letzten Jahre zeigen:
Sinkendes Risiko für Zahnverlust bei Vitamin D Werten über 21 ng/ml. 1
Verbesserte Implantatstabilität und geringere Verlustrate bei Vitamin D Werten über 30 ng/ml. 2
Messbar antientzündlicher Effekt auf Gingivitis durch Vitamin D bei Werten über 36 ng/ml. 3
Und das sind nur drei von vielzähligen Ergebnissen aus der Zahnmedizin, unabhängig von den Erkenntnissen in der Allgemeinmedizin.
Ja, an vielen vielen Stellen fehlt bisher der Beweis für die Kausalität, welche nun mal wertvoller ist als nur eine Korrelation. Auf der Seite der Korrelation stehen inzwischen aber auch super viele Erfahrungsberichte aus den verschiedensten medizinischen Bereichen, in denen man einfach mal gemacht und ausprobiert hat (im ethischen, logischen und medizinisch zu verantwortenden Ausmaß natürlich). Und diese Erfahrungswerte zeigen: Da passiert was. Da passiert was, wenn Vitamin D nicht nur ausreichend, sondern sehr gut im Körper verfügbar ist. Und das nicht nur saisonal, sondern dauerhaft. Siehe die drei Beispiele aus der Zahnmedizin.

Orientierung an Naturvölkern: Was wir von Ostafrika lernen können
Eine von mir oft zitierte, weil eben so eindrucksvolle, Erhebung kommt aus Ostafrika. Traditionell lebende Bevölkerungsgruppen, die täglich der Sonne ausgesetzt sind, weisen durchschnittliche Vitamin D-Spiegel von 46 ng/ml auf. Ohne Supplementierung, ohne Laborwerte, einfach durch ihr natürliche Lebensweise.
Diese Bevölkerungsgruppen haben in ihrer Kindheit keine Vitamin-D-Prophylaxe erhalten – und trotzdem Werte, die deine Patienten nur mit viel Disziplin, Sommerurlaub und/oder Supplementierung erreichen.
Noch spannender wird’s, wenn man sich mal anguckt, was mit den Werten von Frauen passiert, die schwanger werden. Wo sich der Körper also von alleine darauf einstellt, dass er in den nächsten Monaten, ach was Jahren, enorm viel leisten muss. Und er jetzt eben für 2 Lebewesen haushalten muss. Denn der Wert von schwangeren Frauen in diesen traditionell lebenden Gruppen, steigt ganz automatisch (nur durch die Sonne!) auf 56 ng/ml. 4
Eine einzelne Erhebung kann nicht die Grundlage sein für neue Referenzwerte von Vitamin D, das ist klar. Aber sie können uns eine starke Orientierung bieten, was vielleicht ein sehr guter Vitamin D Wert wäre. Unter anderem auch, wenn der Körper sich in einer Ausnahmesituation befindet.

Bedeutung von Vitamin D Referenzwerten für deine Praxis
Wenn du ausschließlich auf die Referenzwerte des RKIs setzt, wirst du mit Vitamin D nicht so viel erreichen, wie du könntest. Das ist meine Meinung basierend auf meinen Erfahrungen. Es ist natürlich so oder so toll, wenn du eine Mangelsituation bei einem deiner Patienten aufdeckst und diese behoben wird. Aber wenn dann bei 21 ng/ml Schluss ist, weil die Vitamin D Referenzwerte sagen, dann reicht es aus – dann geht hier einiges an Potential verloren.
Ich schreibe dir keinen idealen Zielwert vor. Den darfst du ganz alleine wählen und dich entscheiden, woran du ihn festmachst: Referenzwerte – Erfahrungswerte – Wissenschaft?
Wenn du noch mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zu den unterschiedlichen Serumwerten von Vitamin D über verschiedenste medizinische Bereiche möchtest, kannst du dir hier meine Tabelle für 0 € runterladen.
Ich würde es so machen:
- Regelmäßig die Vitamin D-Spiegel der Patienten testen (je nach Indikation).
- Die subjektive Befindlichkeit nicht außen vorlassen.
- Den Einfluss auf die Wundheilung, Periimplantitis-Risiken und Recall-Intervalle beobachten (und wenn du richtig tief drin bist, dann auch gerne anonymisiert dokumentieren).
Denn genau hier zeigt sich: Der Unterschied zwischen normal und optimal kann entscheidend sein. Nicht für ein „Durchkommen“, sondern für nachhaltige Behandlungserfolge.
Fazit: Vitamin D-Referenzwerte in der Zahnmedizin neu denken
Ausreichend reicht dir in deiner Praxis nicht, oder? Dann sollte es auch beim Vitamin D nicht reichen. Die offiziellen Vitamin D Referenzwerte sind ein Anfang, aber sie liefern dir leider keinen Zielwert. In der Zahnmedizin geht es nicht um Minimalkriterien, sondern um optimale Voraussetzungen für Gesundheit und Heilung.
Wenn du tiefer einsteigen willst: Hol dir meine Übersicht über wissenschaftlich belegte Vitamin D-Zielwerte in der Zahnmedizin. Sie ist für 0 € für all‘ die zu haben, die sich auf die Interessentenliste für meinen Onlinekurs eintragen. So kannst du selbst entscheiden, was du in deiner Praxis als optimal definierst.