Die entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin ist ein therapeutischer Hebel, der bisher noch viel zu wenig genutzt wird. Lebensmittel liefern uns nicht nur Energie, sondern auch verschiedenste Nährstoffe, die entzündungshemmend im Körper und damit auch im Mundraum wirken können. Die sogenannte antientzündliche Ernährung bildet hier die Basis für eine entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin. Als Ökotrophologin habe ich in diesem Artikel für dich zusammengeschrieben, worauf es dabei in der Zahnmedizin ankommt.

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ToggleWas ist eine entzündungshemmende Ernährung?
Eine entzündungshemmende Ernährung, die auch oft als antientzündliche Ernährung betitelt wird, ist genau das, was ihr Name sagt: Eine Ernährungsweise, die gegen Entzündungen wirkt. Das liegt einerseits daran, dass diese Ernährungsweise wenig Lebensmittel enthält, die Entzündungen im Körper begünstigen, und daran, dass sie viele Lebensmittel enthält, die den Körper bei entzündungshemmenden Mechanismen unterstützen.
Es geht nicht darum, dass die proentzündliche Seite zu 100% gemieden werden muss und eine komplette Ernährungsumstellung erfolgen muss. Verbote und strikte Anweisungen funktionieren bei der eigenen Ernährung nur bedingt, denn wenn es einem nicht schmeckt, wird man es auch nicht langfristig umsetzen. Und was für dich und mich gilt, können wir auch unseren Patienten nicht vorschreiben. Wir wollen hier ja realistisch und umsetzungstauglich an die Sache rangehen.
Es geht also darum, die „gute“ Seite bestmöglich zu stärken, sodass die „schlechte“ Seite nicht den Großteil der Ernährung ausmacht. Erlaubt ist sie trotzdem, auf die Menge kommt‘s halt an. Ganz nach dem 80/20-Prinzip: 80 % antientzündlich, sodass auch 20 % proentzündlich noch okay sind – so kann eine entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin gut und langfristig funktionieren.
Warum wirken Nährstoffe entzündungshemmend?
Lebensmittel wirken entzündungshemmend, da sie Nährstoffe enthalten, die verschiedene Effekte im Körper auslösen. Die zwei größeren Bereiche über die wir hier bei der entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin sprechen, sind die antioxidativen und die antiinflammatorischen Wirksamkeit.
Antioxidativ bedeutet, dass ein Nährstoff gegen Moleküle wirkt, die im Körper Zellschäden anrichten und dadurch zu Entzündungen führen. Denn eine Entzündung ist ein Zeichen für das Immunsystem, dass hier besondere Arbeit geleistet werden muss, bspw. die Reparatur einer beschädigten Zelle. Diese Zellschädigungen werden durch Moleküle ausgelöst, die man freie Radikale nennt. Antioxidantien aus unseren Lebensmitteln wirken gegen diese freien Radikale. Du kannst sie dir vorstellen wie Engelchen und Teufelchen. Und von den Engelchen wollen wir mehr.

Antiinflammatorisch bedeutet, dass es Nährstoffe gibt, die direkt antientzündlich wirken, also wirklich aktiv daran arbeiten Entzündungen im Körper entgegen zu wirken.
In einer antientzündlichen, also entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin wollen wir beide Wege betonen und entsprechende Lebensmittel in den Vordergrund stellen.
Welche Nährstoffe wirken entzündungshemmend?
Einige, und das in einer anderen Rangfolge, als man erstmal denkt, bevor man sich den Dietary Inflammation Index (DII) anschaut. Dieser Index wurde auf Basis einer umfangreichen Literaturrecherche erstellt, bei der untersucht wurde: Zu welchen Nährstoffen gibt es antientzündliche Erkenntnisse, wie stark waren die in den Studien und wie viele Studien gibt es zu einem Nährstoff oder Lebensmittel. Ganz konkret wurden sich hier 6 verschiedene Entzündungsmarker im Blut angeschaut (IL-1b, IL-4, IL-6, IL-10, TNF-a, CRP). 1
Hier ein paar Beispiele für antientzündliche Nährstoffe in absteigender Wirksamkeit: Ballaststoffe, Flavone, Magnesium, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A.
Der Index an sich ist deutlich umfangreicher und beinhaltet auch die Kategorisierung von bspw. Kurkuma, Ingwer oder Tee in seiner Rangfolge für entzündungshemmende Lebensmittel.
Welche Lebensmittel wirken entzündungshemmend?
Ja tatsächlich: Wie du eben schon gelesen hast, sind Kurkuma, Ingwer und schwarzer und grüner Tee tatsächlich stark antientzündlich wirksame Lebensmittel. Nun finden diese aber nicht im Alltag vom Großteil deiner Patienten einen Platz und es gibt auch noch deutlich mehr Lebensmittel als diese drei, die ein starkes antientzündliches Potential haben. Als Ernährungswissenschaftlerin lege ich meinen Fokus auf realistische und alltagstaugliche Lebensmittel, sodass die entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin dann auch wirklich umgesetzt wird. Hier drei Beispiele für dich:
Beeren
Enthalten besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe wie Polyphenole. Diese Nährstoffe reduzieren Entzündungen, indem sie freie Radikale (Teufelchen) neutralisieren und indem sie den Teil der Gentranskription deaktivieren, der für die Aktivierung von proentzündlichen Wegen (pathways) verantwortlich ist. Polyphenole wirken sowohl plaquehemmend als auch antientzündlich. Eine schwedische Studie konnte einen stark antientzündlichen Effekt von Blaubeeren (die reich an Polyphenolen sind) auf die Gingivitis, vergleichbar mit den Effekten einer professionellen Zahnreinigung, demonstrieren. 2

Hülsenfrüchte
Erbsen, Bohnen, Linsen enthalten enorm viele Ballaststoffe, was unser Darmmikrobiom liebt, denn für diese ist das ein pures Festmahl. Und geht’s unserem Darm gut, stehen auch die Zeichen gut, dass es unserem Immunsystem nicht schlecht geht. Der Konsum von Ballaststoffen steht übrigens auch in der Wissenschaft in Zusammenhang mit einer geringeren parodontalen Entzündung. 3
Kohlgemüse
Enthalten besonders viel Vitamin C und sekundäre Pflanzenstoffe wie Sulforaphan und sind selbst im Winter regional und saisonal erhältlich.
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Rolle von Omega-3-Fettsäuren in der antientzündlichen Ernährung
Solltest du schonmal was von Omega-3-Fettsäuren gehört haben, dann sicherlich in Kombination mit: Die wirken entzündungshemmend! Stimmt auch, aber in der Stärke der antientzündlichen Wirksamkeit stehen noch einige Nährstoffe über den Omega-3-Fettsäuren. Dennoch macht es sehr viel Sinn im Zuge einer entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin einen Fokus auf die Omega-3-Fettsäuren zu legen.
Denn erstens ist die Versorgungslage mit Omega-3-Fettsäuren in Deutschland schlecht. Sehr schlecht. Um nicht zu sagen katastrophal, ohne hier zu dramatisch zu sein. Aber es ist wirklich so: Nach einer Stichprobe mit 3705 Teilnehmenden lag der HS-Omega-3-Index durchschnittlich bei 5,6 % – der Zielbereich liegt bei 8 -11 %. 4
Und zweitens ist die Aufnahme über Lebensmittel für viele Menschen schwierig, denn die entzündungshemmenden Omega-3-Fettsäure EPA (Eicosapentaensäure) gibt es nur in fettreichem Seefisch und Algen. Steht das bei dir wirklich 2–3 Mal die Woche auf dem Speiseplan? Und wenn das bei dir nicht der Fall ist, meinst du es ist dann bei deinen Patienten so?
Eine schwierige Quelle und eine schlechte Versorgungslage, das sind die zwei großen Gründe, warum ich als Ökotrophologin meinen Fokus in der entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin meinen Blick auf die Nährstoffe lege, die nach DII ein hohes antientzündliches Potential haben, aber eben nur unzureichend vorliegen. Das ist bei den Omega-3-Fettsäuren der Fall, aber auch bei Vitamin D.
Rolle von Vitamin D in der antientzündlichen Ernährung
Vitamin D steht im DII in seiner entzündungshemmenden Kraft über den Omega-3-Fettsäuren. Denen ja auch schon ein stark antientzündliches Potential angeheftet wird. Die Versorgungslage mit Vitamin D sieht in Deutschland nicht besser aus als bei den Omega-3-Fettsäuren. Nach DGE sind 61,6 % der Deutschen durchschnittlich das ganze Jahr nicht mal ausreichend mit Vitamin D versorgt. Also bekommen nicht mal die Schulnote 4, bestanden, für ihren Wert. Warum ausreichend nicht gut genug ist, liest du in diesem Blogartikel.
Wenn Vitamin D nicht ausreichend im Körper vorliegt, kann es natürlich nicht sein volles antientzündliches Potential entfalten. Die Rolle von Vitamin D im Knochenstoffwechsel haben wir dann noch ganz außer Acht gelassen.
Deswegen macht es auch bei diesem Nährstoff Sinn ihn ins Licht zu stellen und die Werte im Sinne der entzündungshemmenden Ernährung zu optimieren wenn nötig.
Bei Vitamin D ist das leider nicht über Lebensmittel möglich. Wie viel Sonne wir für ausreichend Vitamin D brauchen, liest du in diesem Blogartikel.
Effekte einer entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin
Studien an Patienten mit einer westlichen Ernährungsweise zeigen eine begünstigte, ausgeprägte gingivale Entzündungsreaktion 5 Eine westliche Ernährungsweise war hier definiert als eine Ernährung mit großen Mengen an raffiniertem Getreide, Zucker sowie gesättigten, trans- und Omega-6-Fettsäuren und geringe Mengen an Mikronährstoffen und Ballaststoffen. So eine Ernährung kann man auch als proentzündlich beschreiben, also das genaue Gegenteil einer entzündungshemmenden Ernährung.
Klar ist auch, dass der häufige Konsum von raffinierten Kohlenhydraten (Weißmehl, Zucker), gesättigten Fetten und wenig Ballaststoffen das Risiko einer Parodontitis erhöht. Im Gegensatz dazu wirkt sich eine Ernährung mit Lebensmitteln, die reich an Antioxidantien (Engelchen), Mineralien, Vitaminen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen ist, positiv auf die Gesundheit des parodontalen Gewebes aus. 6
Es gibt verschiedenste Studien, die zeigen, dass eine entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin nicht nur nice to have ist, sondern messbar deinen Behandlungserfolg beeinflussen kann.
Umsetzung einer entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin
Es gibt so viele verschiedene Wege, wie du dieses Thema an deine Patienten tragen kannst. Du kannst schon bei der Prophylaxe anfangen mit einem Anamnesebogen zur Ernährung der Patienten, du kannst im Wartezimmer Bücher zur antientzündlichen Ernährung auslegen (meine Buchempfehlungen findest du hier), ihr könnt im Team antientzündliche Rezepte nachkochen und Rezepte des Monats auf den sozialen Medien teilen, Flyer mitgeben, natürlich auch direkt beraten und dies mit einem Vitamin D-Schnelltest verknüpfen und und und. Es gibt hier super viele verschiedene Möglichkeiten unter denen es auf jeden Fall mehrere gibt, die auch zu deiner Praxis passen. Welche das sein können, erarbeite ich mit Zahnarztpraxen in meiner Praxisschulung.
Wenn du einfach nur konkrete Materialien wie einen Anamnesebogen mit Bezug zur entzündungshemmenden Ernährung in der Zahnmedizin oder auch Kommunikationsbeispiele für die Patientenberatung haben möchtest, dann schau dir mal mein Praxiskit zur antientzündlichen Ernährung an. Mit diesem haben schon einige Praxen sich ein eigenes Konzept erarbeitet, was sie bis heute erfolgreich in ihrer Zahnarztpraxis umsetzen.