Sobald du deinen Blick auf Mikronährstoffe in der Zahnmedizin lenkst, kommst du an zwei Nährstoffen nicht vorbei: Vitamin D und omega-3-Fettsäuren. Und zwischen all‘ den Infos, die es inzwischen zu diesen beiden Nährstoffen in der Zahnmedizin gibt, sucht man manchmal verzweifelt nach einer klaren Antwort, wann und bei wem denn diese Nährstoffe am sinnvollsten eingesetzt sind. In diesem Blogartikel findest du endlich Antworten, wann omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin sinnvoll sind.

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ToggleFunktion von omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin
Omega-3-Fettsäuren wird vor allem eine antientzündliche Funktion nachgesagt und das stimmt auch. Sie gehören zu den Nährstoffen, die laut dem Dietary Inflammation Index (im Blogartikel zur antientzündlichen Ernährung erfährt du mehr über den Index) eine sehr starke antientzündliche Wirkung auf den Körper haben können – sofern sie in ausreichender Menge aufgenommen werden. 1
Vor allem die omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) ist eine Quelle für hormonähnliche Substanzen (Eicosanoide) mit antientzündlicher Wirksamkeit. Der Körper bedient sich dafür an den ungesättigten Fettsäuren in unseren Zellmembranen, in die die omega-3-Fettsäuren, die wir über Lebensmittel oder Supplemente aufnehmen, eingelagert werden.
Unsere Zellmembranen sind aber nicht nur omega-3-Speicher, sondern sorgen als ungesättigte Fettsäure auch für die sogenannte Fluidität der Zelle – die Zellwand ist geschmeidig und nicht starr, sie kann gesunde Stoffe rein lassen und Abbauprodukte gut ausschleusen. Gesunde Zellen sind die Basis unserer Gesundheit. Und bei der Reparatur oder dem Neuaufbau von Gewebe (im Mundraum) wollen wir schließlich gesunde Zellen mit optimalen Funktionen, oder?
Versorgungslage mit omega-3 in Deutschland
Vitamin D und omega-3 sind unsere beiden größten Sorgenkinder in Deutschland. In Europa ist das nicht unüblich, in anderen Teilen der Welt (bspw. in den Tropen) gibt es die Quellen der Nährstoffe im Überfluss: Sonne und Fisch. Überleg‘ mal, wie das hierzulande aussieht. Genau, eher mäßig. Wenn im Sommer die Sonne scheint, cremen wir uns ein, und Fisch ist auch nicht mehr das beliebteste Lebensmittel. Die Quellen für omega-3 sind also dürftig. In der Nationalen Verzehr Studie II wurde 2008 nur ein Fischverzehr von knapp über 100 g in der Woche gemessen. 2 Das entspricht grade mal 200 mg omega-3-Fettsäuren pro Tag – wo selbst die DGE eine Aufnahme von 1250 mg pro Tag empfiehlt siehst du ziemlich direkt, dass das weit unter der Empfehlung liegt.
Die mangelhafte Aufnahme zeigt sich auch im Blut. Hier blickt man am besten auf den HS-omega-3-Index, welche in einer Stichprobe mit 3705 Teilnehmenden 2022 nur bei 5,6% lag. Dieser Wert fällt in die Kategorisierung ‚niedrig‘ (>4 bis 6 %), ein Wert von > 8% ist wünschenswert. 3
In Bezug auf die Frage, wann denn der Einsatz von omega-3-Fettsäuren sinnvoll sein kann, kannst du dir also schonmal eins merken:
Der Einsatz von omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin ist sinnvoll, wenn der omega-3-Index unter dem Zielwert von min. 8 % liegt.
Versorgungslage mit omega-3 in der Zahnmedizin
Warum kann der Einsatz von omega-3 Fettsäuren in der Zahnmedizin sinnvoll sein, wenn der omega-3-Index unter 8 % liegt? Weil wir dann eine unzureichende Versorgung vorliegen haben, die deine Behandlung negativ beeinflussen könnte. Der Körper kann in so einer Situation nicht das volle antientzündliche Potential ausschöpfen und auch die Zellgesundheit leidet immer ein Stückchen mehr mit schlechteren Indexwerten.
Der oben genannte Wert der Stichprobe von 5,6 % ist dabei ein Durchschnittswert. Es gibt durchaus Menschen, die einen Index von nur 2 % haben. Der niedrigste Wert in meinem erweiterten Bekanntenkreis lag bei grade mal 0,9 %. Und einen schlechten omega-3-Index kann man leider genauso wenig an der Nase (oder den Zähnen) ablesen, wie einen schlechten Vitamin D-Wert.
Omega-3-Fettsäuren in Lebensmitteln
Die Versorgungslage mit omega-3 ist in Deutschland so schlecht, weil die Aufnahmemenge den Verbrauch nicht deckt. Das liegt auch daran, dass die Quellen für omega-3 in Lebensmitteln nicht sonderlich vielfältig sind. Wir reden hier lediglich über fettreichen Seefisch (bspw. Hering, Lachs, Makrele, Sardine, Sardelle, Thunfisch), Algen und ein paar Samen und Nüsse (bspw. Leinsamen, Chiasamen, Walnüsse).

Fisch stellt zwar große Mengen an den höheren Formen der omega-3-Fettsäuren bereit (Eicosapentaensäure & Docosahexaensäure), ist aber leider kein uneingeschränkt empfehlenswertes Lebensmittel mehr. Die Gründe sind vielfältig, zwischen Mikroplastik, Aquakultur, Schwermetallbelastung, Überfischungen und Co kannst du dir einfach einen aussuchen, denn einer reicht hier schon.
Die pflanzlichen Lebensmittel liefern teils auch in kleinen Mengen den Tagesbedarf an omega-3-Fettsäuren (bspw. reicht hier 1 Teelöffel Leinsamen), bei der enthaltenen omega-3-Fettsäure handelt es sich aber um die alpha-Linolensäure, welche nur zu 0,-Prozentsätzen vom Körper selbst in die höheren Formen umgewandelt werden kann.
Der Einsatz von omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin als Supplement kann sinnvoll sein, wenn vom Patienten sehr wenig Lebensmittel verzehrt werden, die reich an omega-3-Fettsäuren sind.
Sinnvolle Einsatzgebiete von omega-3 in der Zahnmedizin
Nun könntest du zu der Meinung kommen: Wenn wir eh alle schlecht versorgt sind, dann kann ich ja einfach alle meine Patienten in meiner Zahnarztpraxis über omega-3 informieren. Kann ich total verstehen, sehe ich trotzdem erstmal anders. Denn klar, der Ansatz ist richtig, die Frage der Umsetzbarkeit ist hier aber außen vor gelassen. Du hast ein Team, was das alles mittragen, verstehen und stemmen können muss. Einfach nur Flyer auslegen ist zwar besser als nichts tun, hat aber auch den größten Streuverlust. Und fühlt sich das dann wirklich befriedigend an, dass du in diesem Bereich was bewegt hast?
Was ich in meinen Praxisschulungen immer wieder in Erinnerung rufe, verewige ich gerne auch hier nochmal: Mach einen Schritt nach dem nächsten. Es kann dein Ziel sein, dass in deiner Praxis alle Patienten über omega-3 aufgeklärt werden, aber ein Ziel erreicht man nicht mit einem Schritt, sondern mit mehreren kleinen. Forschung zu omega-3 in der Zahnmedizin gibt es im Bereich der Endodontie, bei verschiedenen Mundschleimhauterkrankungen, Oralchirurgie, Implantologie und Parodontologie. Folgend zwei Beispiele.
omega-3 in der Implantologie
Die Forschung ist in diesem Bereich noch sehr dünn. Zu omega-3 bei Parodontitis gibt’s da deutlich mehr. Dennoch kann die Implantologie ein Bereich sein, indem deine Patienten mit den besonderen Herausforderungen von deinem Blick auf die omega-3-Fettsäuren profitieren. Denk mal an die Patienten mit multipen (entzündlichen) Vorerkrankungen. An die Patienten mit umfangreichen Arbeiten, also externer Sinuslift etc. An die Patienten, die ein hohes Periimplantitisrisiko oder eine eben solche schon hatten/haben. Alles, was den Körper vor eine besonders große (antientzündliche) Aufgabe stellt, da braucht er auch besonders guten Zugang zu seinen Ressourcen – und beim Menschen sind das nun mal die Mikro- und Makronährstoffe.
omega-3- in der Parodontologie
Logischer Weise liegt der Fokus bei omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin auf dem Bereich der Parodontologie. Bei der chronischen Mundschleimhautentzündung möchte man herausfinden, wie man sich die antientzündlichen Effekte der omega-3-Fettsäuren zu Nutze machen kann. Es gibt hier bereits Meta-Analysen, die eine deutliche Verbesserung der PA-Therapie mit statt ohne omega-3 im Vergleich zeigen, als auch Primärstudien, die zeigen konnten, dass nach der täglichen Supplementierung von 4,4g EPA + DHA in der Testgruppe nicht nur alle PA-Parameter besser als in der Kontrollgruppe waren, sondern auch mehr geschlossene Taschen zu verzeichnen. 4, 5
Unterstützt werden die Studien durch Erfahrungen von Kollegen und Kolleginnen von dir, die bereits mit omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin arbeiten. Weniger bis keine Blutung mehr, viel mehr geschlossene Taschen, weniger Attachmentverlust, schnellere Reaktion auf die PA-Therapie. Hör dich gerne mal in deinem Netzwerk um, ob hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Und solltest du selber schon welche haben, dann schicke mir gerne eine eMail und berichte mir davon! Finde ich auch immer enorm spannend zu hören. Du erreicht mich unter moin@feinverwurzelt.de .
omega-3 in der Zahnmedizin – wann denn nun?
In der Zahnmedizin kannst du dir die Effekte der omega-3-Fettsäuren besonders zu Nutze machen, wenn
- Dein Patient wenig omega-3-reiche Lebensmittel zu sich nimmt
- Dein Patient einen schlechten omega-3-Index aufweist
- Du bei einem Periimplantitis- oder PA-Fall nicht mehr weißt, was du noch machen sollst und schon alles versucht hast – vielleicht boykottieren deine Arbeit hier innere Faktoren
Besonders in diesen Fällen hast du hohe Chancen mit Mikronährstoffen etwas zu bewirken. Und als erstes setze ich hier bei den Mikronährstoffen an, bei denen die Versorgungslage in Deutschland besonders schlecht ist. Deswegen gibt es zu diesen Nährstoffen Onlinekurse, sodass du auf keine externe Fortbildung in deiner Nähe warten musst. Mehr Infos zum Onlinekurs zu omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin findest du hier.