In immer mehr Zeitschriften und immer mehr Instagrambeiträgen begegnen dir Vitamin D und omega-3. Aber warum genau stehen eigentlich diese beiden Nährstoffe so im Fokus der Zahnmedizin, insbesondere im Kontext der Ernährung bei Parodontitis? Das hat genau zwei logische Gründe und als Ernährungswissenschaftlerin zeige ich sie dir in diesem Artikel ganz klar und deutlich.

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ToggleWarum Ernährung bei Parodontitis unterschätzt wird
Seit 2021 ist Ernährung bei Parodontitis irgendwie Bestandteil der neuen PAR-Richtlinie und damit hoffentlich in jeder PA-Behandlung. Das irgendwie und hoffentlich ist durchaus bewusst gewählt, denn in der Realität sieht das, nachvollziehbarer Weise, anders aus. Aber in immer mehr Praxen bewegt sich was bei dem Thema Ernährung bei Parodontitis und das zu Recht.
Lebensmittel sind das Benzin unseres Körpers. Sie sind die Ressourcen, damit dieser funktionieren kann, denn aus keiner anderen Quelle (ausgenommen der Sonne bei Vitamin D) bekommen wir Nährstoffe.
Und die Ernährung rückt zum Glück in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus, wenn wir über Krankheiten sprechen, vor allem über chronische, wie die Parodontitis.
Und wenn man erst einmal anfängt, sich mit diesem Bereich zu beschäftigen, dann eröffnen sich auf einmal Welten, was die Ernährung bei Parodontitis alles positives oder negatives bewirken kann.

Wir stolpern über entzündungsfördernden Zuckerkonsum, knochenstoffwechselregulierendes Vitamin D, schleimhautpositives Vitamin A, antientzündliche Fette, generell über eine antientzündliche Ernährung und so vieles mehr. Die Wissenschaft ist uns einen Schritt voraus und bringt uns Klarheit in diesem Überangebot an Möglichkeiten.
Der häufige Konsum von raffinierten Kohlenhydraten (Weißmehl, Zucker), gesättigten Fetten und wenig Ballaststoffen erhöhen das Risiko für eine Parodontitis. Im Gegensatz dazu wirkt sich eine Ernährung mit Lebensmitteln, die reich an Antioxidantien, Mineralien, Vitaminen, mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen ist, positiv auf die Gesundheit des parodontalen Gewebes aus. 1 In diesem Blogartikel liest du mehr zur antientzündlichen Ernährung: Entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin
Es gibt verschiedenste Studien, die zeigen, dass eine entzündungshemmende Ernährung in der Zahnmedizin nicht nur nice to have ist, sondern messbar deinen Behandlungserfolg beeinflussen kann.
Aber warum stehen nun Vitamin D und die omega-3-Fettsäuren so sehr im Fokus der Zahnmedizin?
Das hat zwei Gründe. Der eine ist die Funktion der Nährstoffe.
Vitamin D bei Parodontitis: Wirkung auf Knochen & Immunsystem
Vitamin D bei Parodontitis spielt vor allem aufgrund seiner Wirkung auf den Knochenstoffwechsel und das Immunsystem eine zentrale Rolle.

Vitamin D wirkt im Mundraum direkt antimikrobiell und antientzündlich. Die Zellen der Wurzelhaut sind in der Lage Vitamin D selbst zu aktivieren. Wenn sie das nicht können müssten, gäbe es diesen Weg nicht.
Aber viel mehr steht in der Parodontologie und Implantologie die Wirkung von Vitamin D auf den Knochenstoffwechsel im Rampenlicht:
Vitamin D ist in der Zahnmedizin besonders von Interesse wegen seiner Funktion im Calcium- und Knochenstoffwechsel. Aktives Vitamin D muss an die knochenaufbauenden Zellen binden, welche daraufhin das Protein Osteocalcin ausschütten, was nach einem Vitamin K-abhängigen Aktivierungsvorgang Calcium in Form von Hydroxylapatit aufbaut, sodass es in den Knochen und Zähnen eingelagert werden kann.
Also antientzündlich und positiv für den Knochenstoffwechsel – klingt ganz fantastisch für deine PA-Patienten, oder?
Omega-3 bei Parodontitis: Entzündungsmodulation im Fokus
Omega-3-Fettsäuren bei Parodontitis sind besonders wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung von Interesse.

Sie gehören zu den Nährstoffen, die laut dem Dietary Inflammation Index (im Blogartikel zur antientzündlichen Ernährung erfährst du mehr über den Index) eine sehr starke antientzündliche Wirkung auf den Körper haben können. 2
Vor allem die omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) ist eine Quelle für hormonähnliche Substanzen (Eicosanoide) mit antientzündlicher Wirksamkeit. Der Körper bedient sich dafür an den ungesättigten Fettsäuren in unseren Zellmembranen, in die die omega-3-Fettsäuren, die wir über Lebensmittel oder Supplemente aufnehmen, eingelagert werden.
Unsere Zellmembranen sind aber nicht nur omega-3-Speicher, sondern sorgen als ungesättigte Fettsäure auch für die sogenannte Fluidität der Zelle – die Zellwand ist geschmeidig und nicht starr, sie kann gesunde Stoffe rein lassen und Abbauprodukte gut ausschleusen. Gesunde Zellen sind die Basis unserer Gesundheit. Und bei der Reparatur oder dem Neuaufbau von Gewebe (im Mundraum) wollen wir schließlich gesunde Zellen mit optimalen Funktionen, oder?
Warum genau diese beiden Mikronährstoffe im Fokus stehen
Die Funktionen von Vitamin D und omega-3 in der Parodontologie sind also der erste Grund, warum sie bei Ernährung bei Parodontitis so im Fokus stehen. Nun kann man aber durchaus argumentieren, dass das für Vitamin C, Zink, Eisen, Vitamin A oder viele andere Mikronährstoffe genauso aussieht.
Was den Unterschied macht, ist die Versorgungslage von Vitamin D und omega-3 in Deutschland.
Denn dieser ist leider alles andere als gut. Teilweise sogar wirklich richtig schlecht.
Selbst nach den eher konservativen Referenzwerten des RKI sind durchschnittlich über das ganze Jahr gesehen über 60 % der Deutschen nur ausreichend mit Vitamin D versorgt. Nicht optimal, sondern gerade mal ausreichend. In diesem Blogartikel liest du mehr über die Referenzwerte von Vitamin D: Vitamin D Referenzwerte in der Zahnmedizin: Warum „ausreichend“ nicht gut genug ist
Und bei den omega-3-Fettsäuren sieht es leider wahrscheinlich nicht besser aus.
In der Nationalen Verzehr Studie II wurde 2008 nur ein Fischverzehr von knapp über 100 g in der Woche gemessen. 3 Das entspricht grade mal 200 mg omega-3-Fettsäuren pro Tag – wo selbst die DGE eine Aufnahme von 1250 mg pro Tag empfiehlt siehst du ziemlich direkt, dass diese Aufnahme weit unter der Empfehlung liegt.
Die mangelhafte Aufnahme zeigt sich auch im Blut. Hier blickt man am besten auf den HS-omega-3-Index, welcher in einer Stichprobe mit 3705 Teilnehmenden 2022 nur bei 5,6% lag. Dieser Wert fällt in die Kategorisierung ‚niedrig‘ (>4 bis 6 %), ein Wert von > 8% ist wünschenswert. 4
Und genau das ist der zweite Grund, warum Vitamin D und omega-3 im Fokus der Ernährung bei Parodontitis und in der Zahnmedizin allgemein stehen: Da die Versorgungslage mit ihnen so schlecht ist.
Was das für die Zahnarztpraxis bedeutet
Für die Ernährung bei Parodontitis sind Vitamin D und Omega-3 deshalb besonders relevant, weil sie sowohl funktionell als auch aufgrund der Versorgungslage eine zentrale Rolle spielen.
Eine Ernährungsberatung im Zuge der Parodontitis-Behandlung anzubieten ist super. Aber nicht für jede Praxis realistisch. Und das ist auch okay, da man schon mit dem Blick auf Vitamin D und omega-3 in der Parodontologie und anderen zahnmedizinischen Bereichen durchaus effektive Maßnahmen tätigen kann. Du bist so oder so schon einen Schritt weiter, wenn du Ernährung bei Parodontitis nicht ignorierst. Etwas zu tun ist immer besser als gar nichts zu tun.
Ideen, wie du das in deiner Praxis umsetzen könntest, findest du in diesen Blogartikeln:
Vitamin D und seine Bedeutung in der Zahnmedizin: Was Zahnärzt:innen wissen sollten
Wann sind omega-3-Fettsäuren in der Zahnmedizin sinnvoll?
Wenn du für deine Praxis ein individuelles Konzept zu Vitamin D, omega-3 oder Ernährung in der Parodontologie erstellen möchtest, lade ich dich herzlich ein, dich bei meinen Onlinekursen umzuschauen oder mich direkt zu kontaktieren: Kontakt.