Katrin Kersting │0163 2161183 │ moin@feinverwurzelt.de │ Grasberg, Niedersachsen

Eisenmangel in der Zahnmedizin: Auswirkungen auf Parodontitis und Wundheilung

Ist schonmal eine Patientin auf dich zugekommen und hat gesagt „Ich habe übrigens einen Eisenmangel, das sollten Sie wissen wegen der anstehenden OP.“? Unwahrscheinlich. Und so gut ich es auch finde, wenn Menschen die Verantwortung für ihre Gesundheit proaktiv selbst in die Hand nehmen – viel schöner finde ich es, wenn die Expertise den anderen Weg geht und aus der Praxis an die Patienten getragen wird. Aber genau deswegen liest du ja diesen Beitrag zu Eisenmangel in der Zahnmedizin, richtig?

Eisenmangel in der Zahnmedizin kommt auch, weil viele nicht wissen, was eisenreiche Lebensmittel sind

Mal ehrlich: Ist ein Eisenmangel in der Zahnmedizin wirklich relevant?

Hat Eisen wirklich einen Einfluss auf deine zahnmedizinische Behandlung in der Implantologie und Parodontologie? Wenn wir es konkretisieren, dann ja: Denn ein Eisenmangel kann durchaus Einfluss haben.

Eisenmangel und Anämie: Definition & Abgrenzung

Bevor ich dir zeige, in welchen Bereichen sich ein Eisenmangel in der Zahnmedizin besonders bemerkbar machen kann, müssen wir die Begrifflichkeiten klären. Denn ein Eisenmangel ist nicht gleich eine Eisenmangelanämie.

Ein Eisenmangel besteht, wenn der Wert des Speichereisens (Ferritin) unter den Normbereich fällt. Dieser ist je nach Labor leicht abweichend, liegt aber meistens so bei Werten < 15 ng/ml. Die Laborwerte von Eisen sind leider sehr weit gefasst. Dazu passt auf jeden Fall, dass sich Therapeuten und Wissenschaft einig sind, dass Eisenmangelsymptome schon vermehrt ab Werten < 50 ng/ml Ferritin auftreten.

Symptome eines Eisenmangels sind u.a. Blässe, Energiemangel, Haarausfall, erhöhte Infektanfälligkeit, Schilddrüsenprobleme bis hin zu depressiven Verstimmungen. Von den Optimalwerten sind wir hier noch weit entfernt.

Eine Eisenmangelanämie besteht, wenn nicht nur der Ferritinwert niedrig ist, sondern auch der Hämoglobinwert. Liegt dieser unter 11,5 g/dl und der Ferritinwert unter 15 ng/ml, dann befindet sich deine Patientin nicht nur in einem Eisenmangel, sondern eben in einer waschechten Blutarmut.

Die Blässe des Eisenmangels zeigt sich jetzt auch im mikroskopischen Blutbild: Die Blutkörperchen sind klein und nur schwach rot. Und damit starten wir doch auch direkt in den Klassiker, den jeder mit Eisen verbindet und der sich auch bei einem Eisenmangel in der Zahnmedizin bemerkbar macht:

Sauerstoffversorgung in der Wundheilung

Eisen ist der zentral wichtige Baustein für Hämoglobin in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), welche die Aufgabe haben den Sauerstoff im Blut zu unseren Zellen zu bringen. Bei der Wundheilung, auch in der Zahnmedizin, besteht ein erhöhter Sauerstoffbedarf. Genauer gesagt braucht eine Wunde mindestens 30 mmHg Sauerstoffpartialdruck, damit sich Zellen normal teilen können. Für die Proliferation von Fibroblasten (Zellen, die Bindegewebe und Kollagen produzieren – wichtig für die Wundheilung) reichen mindestens 15 mmHg. Liegt der Sauerstoffdruck unter diesen Werten, wird die Wundheilung gestört oder verlangsamt. Auch im Mundraum.

Es gibt keine klaren Grenzen, bei denen man sagen kann, dass ab einer Unterschreitung dieser Werte auch der Sauerstoffpartialdruck um x % sinkt. Aber ich habe mittels ChatGPT mal eine Grafik für dich erstellt, die eine ganz gute Einordnung ermöglicht:

Zusammenhang Eisenmangel und Wundheilungsstörung in der Zahnmedizin

Eisenmangel als erster Verdacht?

Auch wenn die Wundheilung im Mundraum verhältnismäßig schnell abläuft, Wundheilungsstörungen gibt es immer mal wieder. Hier lohnt es sich nicht nur auf Vitamin B9 und B12 zu schauen, sondern eben auch auf Eisen. Ganz nach der Devise „Häufiges ist häufig und seltenes ist selten“. Klar, wenn dein Patient nun Kettenraucher ist, würde ich auch nicht als erstes einen Eisenmangel im Verdacht haben. Aber wenn man es sich nicht so richtig erklären kann, wo diese Wundheilungsstörung ihren Ursprung hat?

Gerade bei Frauen lohnt sich ein Blick auf die Eisenwerte. Denn laut Nationaler Verzehr Studie II nehmen 75 % der Frauen vor 50 Jahren täglich (!!) zu wenig Eisen zu sich. Das heißt nicht, dass sich 75 % der Frauen in einem Eisenmangel befinden. Aber wer langfristig zu wenig Eisen aufnimmt, steuert direkt darauf zu.

Um den Punkt zur Sauerstoffversorgung bei einem Eisenmangel in der Zahnmedizin abzuschließen nur noch folgende Ergänzung: Eine mangelhafte Sauerstoffversorgung im Zusammenhang mit einer Anämie ist ein Hauptstimulator der Knochenresorption (Osteoklastogenese). Also lass‘ uns doch direkt weiter machen mit

Kollagensynthese in Abhängigkeit von Eisen

Eisenabhängige Enzyme hydroxylieren Prolin & Lysin, Aminosäuren, die essentiell für die Herstellung von Typ-I-Kollagen sind. Knochengewebe ist reich an Kollagen Typ I. Eisen ist ein elementarer Bestandteil von den Enzymen, die für die Verkettung der Kollagenmolekülen zuständig sind. Und der Knochenstoffwechsel steht in der Zahnmedizin sowohl in der Implantologie aber auch in der Parodontologie im Fokus.

Es ist durchaus bekannt, dass ein Eisenmangel Einfluss auf den Knochenstoffwechsel nimmt – und wenn das systemisch der Fall ist, warum sollte es dann beim Kieferknochen anders sein? Entscheidend ist, dass die Eisenwerte vor allem in jungen Jahren nicht so katastrophal aussehen, wie das gerade oftmals der Fall ist, denn bis zur Mitte der 30er wird mehr Knochen auf- als abgebaut. Die frühe und regelmäßige Prophylaxe mit einem Hinweis, die Eisenwerte zu überprüfen, kann also gerade bei Frauen langfristig enorme Auswirkungen haben. Warum jetzt in der Prophylaxe? Weil Menschen in keiner anderen Arztpraxis so regelmäßig sind, wie in der Zahnarztpraxis. Gerade auch als junge, gesunde Menschen.

Abhängigkeit des Vitamin D-Stoffwechsels von Eisen

Jup, Eisen ist auch am Vitamin D-Stoffwechsel beteiligt. Vitamin D sammelt ja eh eine Fußballmannschaft an Cofaktoren hinter sich und Eisen gehört auch dazu. Denn Eisen ist ebenfalls wichtig für Enzyme, wie bei der Kollagensynthese, welche in diesem Fall Häm als Anhang an sich dranhängen haben, ohne welches sie ihre Funktion nicht ausführen können. Dadurch sind diese Enzyme ebenfalls von einer guten Eisenversorgung abhängig, denn Häm braucht Eisen als zentrales Ion.

Was genau machen diese Enzyme im Vitamin D-Stoffwechsel? Sie werden für die zweistufe Aktivierung in den Nieren und der Leber gebraucht und auch für den Abbau von Vitamin D. Solltest du also bereits mit Vitamin D in deiner Zahnarztpraxis arbeiten und gerade bei Frauen vor der Menopause mal Fälle haben, wo die Vitamin D Supplementierung keinen nennenswerten Effekt bringt – dann lass‘ checken, ob sich diese Frau in einem Eisenmangel befindet.

Eisenmangel bei Frauen: Bedeutung für zahnmedizinische Therapie

Warum schreibe ich nun immer von Patientinnen und Frauen und nicht von Männern? Weil es eben in der Regel die Frauen sind, die hier ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel haben. Besonders die Frauen vor der Menopause mit dem monatlichen Blutverlust haben einen deutlich höheren Eisenbedarf, den eben 75 % nicht schaffen über Lebensmittel zu decken.

Eisenmangel in der Zahnmedizin bzw. generell für die Gesundheit ist ein echt großes Thema. Ich werde in Zukunft noch Blogbeiträge zu den Laborwerten, generell zu den Blutwerten bei Eisen und deren Interpretation schreiben. Vielleicht auch mal einen Wochenplan online stellen, wie man auf vegetarische Weise seinen Eisenbedarf als Frau decken kann, nochmal ein Licht auf Fleisch als Eisenlieferant werfen und so weiter. Mal gucken, was die Zeit so möglich macht.

In meinem Webinar „Frauen, Eisenmangel und Zahnmedizin“ habe ich mich bereits mit all‘ diesen Themen beschäftigt. Und wenn du das auch tun willst, kannst du dir hier die Aufzeichnung anschauen.

Katrin Kersting steckt hinter dem Unternehmen fein verwurzelt

Moin, ich bin Katrin!

Ich zeige Zahnarztpraxen, wie sie Ernährung in ihre Behandlung integrieren können – so beschreibe ich meinen Job zumindest meinen Freunden.

Genauer gesagt bin ich Ökotrophologin, Referentin und Autorin mit dem Schwerpunkt Mikronährstoffe in der Implantologie und Parodontologie.

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