„Was haben denn Lebensmittel mit Zähnen zu tun?“ – dachte ich als frisch gebackene Ökotrophologin (Studium von Ernährungswissenschaften + Wirtschaft) vor 6 Jahren. Viele Studien, Praxiserfahrungen, Vorträge und Praxisschulungen später ist genau das mein Spezialgebiet: Mikronährstoffe in der Implantologie und Parodontologie. Lass‘ mich dir diese Welt zeigen:

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ToggleWas bedeutet „zahngesunde Ernährung“ eigentlich? – Grundlagen der zahngesunden Ernährung
Zucker führt zu Karies? Ja klar, aber an dieser Baustelle wollte ich mich nicht schon aufhalten lassen. Schließlich besteht die menschliche Ernährung aus so viel mehr Bestandteilen als aus Zucker. Was ist mit Proteinen in der Zahnmedizin? Mit Fettsäuren? Mit Vitaminen in der Parodontologie und Spurenelementen in der Implantologie? Gibt’s da nicht auch wissenschaftliche Erkenntnisse? Die gibt es, aber lass uns erstmal bei den Grundlagen anfangen.
Eine zahngesunde Ernährung ist ganz platt gesagt eine Ernährung, die die Zähne nicht direkt schädigt und von innen heraus stärkt.
Direkt die Zähne schädigen tun zum Beispiel säurehaltige Getränke (Softdrinks, Energydrinks, Obstsäfte in großen Mengen) oder auch sehr klebrige, zuckrige Lebensmittel wie Weingummis oder auch Trockenobst, die auch einige Zeit nach dem Verzehr an den Zähnen haften bleiben und so den Bakterien länger zur Verfügung stehen.
Von innen heraus stärken tun zum Beispiel Lebensmittel, welche sehr reich an Vitaminen und Mineralstoffen sind, die den Körper nicht nur in seinen allgemeinen Funktionen unterstützen, sondern auch direkten Einfluss auf die Mundgesundheit haben können. Aber eben von innen.
Einfluss von Zucker, Proteinen und Fetten in der zahngesunden Ernährung
Unsere Lebensmittel werden in zwei Gruppen unterteilt: Die Makronährstoffe und die Mikronährstoffe. Zu den Makronährstoffen gehören die altbekannten Kohlenhydrate, Proteine und Fette.
Besonders die Kohlenhydrate bekommen in der Zahnmedizin, anfänglich nur in der Kariologie, inzwischen auch vermehrt in der Parodontologie, sehr viel Aufmerksamkeit, denn der klassische Zucker gehört zu den einfachen Kohlenhydraten.
In der Kariesprophylaxe steht Zucker im Fokus, da Bakterien im Mund diesen als Nährstoff nutzen und während dieses Prozesses Säuren entstehen, die ganz platt gesagt die Löcher im Zahn machen.
In der Parodontologie steht Zucker im Fokus, da er den Blutzuckerspiegel sehr stark ansteigen lässt. Die Reaktion des Körpers auf diese Zuckerflut ist eine übermäßige Ausschüttung von Insulin – das sorgt dafür, dass der Zucker auch in die Zellen kommt, wo er verstoffwechselt wird, und nicht im Blut bleibt, was langfristig krank macht. Das Problem dabei ist, dass der Körper wegen dieses schnellen Blutzuckeranstiegs auch schnell Insulin ausschüttet. Und da reagiert er ein bisschen über. Lieber den Zucker aus dem Blut raus und zu viel Insulin drin haben, als andersrum. Kurzfristig ist das genau richtig, was unser Körper da macht, wenn wir einen Schokoriegel essen. Langfristig führt es leider zu einem proentzündlichen Milieu im Körper, da das Insulin die Enzyme Delta-6- und Delta-5-Desaturase beeinflusst, welche die Umwandlung von Linolsäure in Arachidonsäure steuern – eine stark proentzündlich wirksame Fettsäure. Ein proentzündliches Milieu ist in der Parodontologie alles andere als das, was wir wollen. Es macht es dem Körper noch schwerer die Entzündung im Mundraum aufzulösen und es den schädigenden Bakterienstämmen leichter sich im Mundraum auszubreiten.
Zu den Makronährstoffen in der Kariologie, Parodontologie und Oralchirurgie habe ich eine Übersicht erstellt, die dir Einblicke gibt, was es hier für Vorteile und Probleme in der Zahnmedizin gibt. Diese Übersicht findest du hier: Makronährstoff-Übersicht
Die Makronährstoffe machen also einen Teil unserer Lebensmittel aus und steuern natürlich auch unser Energielevel und Wohlbefinden. Ich konzentriere mich in der Zahnmedizin und auch bei der zahngesunden Ernährung mehr auf die Mikronährstoffe.

Rolle von Vitaminen und Mineralstoffen in der zahngesunden Ernährung
Mikronährstoffe sind die zweite Gruppe in unseren Lebensmitteln, sie sind kleiner, dafür aber vielfältiger in ihren Effekten auf den Körper – und in der Zahnmedizin.
Zu den Mikronährstoffen gehören neben den Vitaminen und Mineralstoffen auch die ungesättigten Fettsäuren, essentiellen Aminosäuren, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe. In der Implantologie und Parodontologie schaue ich besonders auf die Vitamine, Mineralstoffe, ungesättigten Fettsäuren und sekundären Pflanzenstoffe.
Bei den Vitaminen und Mineralstoffen gibt es bestimmte Nährstoffe wie Vitamin D, Vitamin C, Zink, Eisen etc. die in ihren Effekten in der Zahnmedizin besonders ins Auge fallen, da die Versorgungslage mit diesen Mikronährstoffen optimierungswürdig ist.
Vitamine und Mineralstoffe liefern dem Körper keinerlei Energie, sind aber an allen Stoffwechselprozessen beteiligt. Zum Beispiel brauchen wir Eisen in der Wundheilung besonders für den sichergestellten Sauerstofftransport zur Wunde, Vitamin C für die Bildung von Kollagen, unserem Grundgerüst für neuen Knochen oder auch die Schleimhäute, Vitamin D ist mit unserem Knochenbaustein Nummer 1 verheiratet (Calcium) und ohne die beiden wird’s knifflig mit der Osseointegration und so weiter. Man kann auf diese Weise ganz stark in die Tiefe gehen.

Wissenschaftliche Studien zur zahngesunden Ernährung – gibt es das überhaupt?
Ist das denn alles nur hergeleitet oder gibt’s da auch handfeste Erkenntnisse aus der Wissenschaft? Du wirst erstaunt sein, aber einige Studien zu Mikronährstoffen in der Zahnmedizin sind durchaus schon über 40 Jahre alt. Bei der zahngesunden Ernährung kommt in Studien in den letzten 20 Jahren immer mehr auf den Tisch.
Und ja, hier gibt es einen Unterschied. In Studien werden sich oftmals die isolierten Effekte von nur einem Nährstoff angeschaut. Das passiert auf Basis von Nahrungsergänzungsmitteln, denn dann kann klarer ermittelt werden, ob der gemessene Effekt auf das Supplement zurückzuführen ist. Unsere Lebensmittel bestehen aber ja nicht aus einzelnen Nährstoffen, sondern sind ein Komplex aus verschiedenen Anteilen der Nährstoffe. In der Wissenschaft, auch in der Parodontologie und Implantologie, wird immer mehr verstanden, dass wir uns nicht von Supplementen ernähren, sondern von Lebensmitteln und dies für den Körper durchaus einen Unterschied macht. So werden in Studien, die auf Lebensmittelbasis arbeiten, teils stärkere Effekte messbar gemacht als in Studien mit isolierten Nährstoffen.
Wenn du dich für Studien mit Lebensmitteln in der Zahnmedizin interessierst, dann schaue dir diese hier mal an:
Baumgartner S, Imfeld T, Schicht O, Rath C, Persson RE, Persson GR. The impact oft the stone age diet on gingival conditions in the absence of oral hygiene. J Periodontol, 2009. 80, 5.
Staudte, H., Sigusch, B.W., Glockmann, E., 2005. Grapefruit consumption improves vitamin C status in periodontitis patients. Br Dent J 199, 213–217.
Woelber, J.P., Bremer, K., Vach, K., König, D., Hellwig, E., Ratka-Krüger, P., Al-Ahmad, A., Tennert, C., 2016. An oral health optimized diet can reduce gingival and periodontal inflammation in humans – a randomized controlled pilot study. BMC Oral Health 17, 28.
Dodington DW, Fritz PC, Sullivan PJ, Ward WE. Higher Intakes of Fruits and Vegetables, β-Carotene, Vitamin C, α-Tocopherol, EPA, and DHA Are Positively Associated with Periodontal Healing after Nonsurgical Periodontal Therapy in Nonsmokers but Not in Smokers. J Nutr. 2015 Nov;145(11):2512-9.
Jockel-Schneider, Y., Goßner, S.K., Petersen, N., Stölzel, P., Hägele, F., Schweiggert, R.M., Haubitz, I., Eigenthaler, M., Carle, R., Schlagenhauf, U., 2016. Stimulation of the nitrate-nitrite-NO-metabolism by repeated lettuce juice consumption decreases gingival inflammation in periodontal recall patients: a randomized, double-blinded, placebo-controlled clinical trial. J. Clin. Periodontol. 43, 603–608.
Ernährungstipps für den Praxisalltag & zur Weitergabe an Patient:innen
Mein Fokus auf die Mikronährstoffe in der Zahnmedizin basiert nicht nur darauf, dass ich sie in ihren Effekten spannender finde. Meiner Erfahrung nach hat eine Ernährung reich an Mikronährstoffen automatisch einen positiven Einfluss auf die Menge und Wahl der Makronährstoffe, die Patient:innen so zu sich nehmen.
Tipp: Mikronährstoffreiche Lebensmittel beeinflussen den Verzehr von Makronährstoffen automatisch positiv.
Stell dir mal vor, du gibst deinen Patient:innen Lebensmittelempfehlungen an die Hand. Wie das aussehen kann und individuell für deine Praxis passend gemacht, darüber spreche ich mit Kunden in meiner Praxisschulung (Du willst da auch mit mir drüber sprechen? Dann sichere dir jetzt ein kostenfreies Erstgespräch in meinem Onlinekalender – Jetzt Termin buchen) Diese Lebensmittelempfehlungen kommen zum Beispiel über deine Beratung zu deinen Patienten, durch Flyer, eine Infoseite auf deiner Webseite, Formate in Social Media, erstmal ganz egal. Was für Lebensmitteln werden da wohl draufstehen? In großen Teilen handelt es sich hier um Lebensmittel, die von Natur aus sehr reich an verschiedenen Mikronährstoffen sind. Nehmen wir mal an, hier sprechen wir über Brokkoli, Haselnüsse, Linsen und Vollkornbrot. Diese mikronährstoffreichen Lebensmittel sind von Natur aus ebenfalls reich an Proteinen, enthalten komplexe Kohlenhydrate, die vom Körper langsam verstoffwechselt werden, und gesunde Fettsäuren. Voilà.
Bei meinen Empfehlungen geht es nie darum Verbote auszusprechen oder zu sagen, dass nur noch und ausschließlich die Lebensmittel aus der Empfehlung gegessen werden dürfen. Ernährung ist ein Prozess und wir versuchen ihr Gleichgewicht zu verbessern. Das heißt aus der anderen Seite der Waage darf auch was liegen, es geht immer um die Frage der Menge und Verhältnismäßigkeit.
Lebensmittel statt Tabletten?
Nahrungsergänzungsmittel haben ihre Daseinsberechtigung, keine Frage, aber sie bleiben, was der Name beschreibt – eine Ergänzung der Ernährung und kein Ersatz. Wie oben im Absatz zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen beschrieben sind Supplemente wichtig, um erste klare Hinweise und Ergebnisse zu bekommen. Und es gibt kritische Nährstoffe, bei denen die meisten Menschen bei unserem heutigen Lebensstil nicht um eine Supplementierung drum rumkommen, um ihre (Zahn-)gesundheit präventiv zu unterstützen und zu unterstützen. Darüber hinaus wird aber kein Supplement es schaffen eine ungünstige Ernährungsweise im Alltag auszugleichen. Es werden B-Vitamine supplementiert und das Frühstück besteht aus Toast mit Schokocreme, das Mittagsessen aus einer Instant-Nudelsuppe und zum Abendbrot gibt es eine TK-Pizza? Dann bringen die B-Vitamine auch nicht viel. Ist mir klar, dass das überspitzt ist, aber so hat das Bild in deinem Kopf klarere Kanten und Farben. Deswegen ist eine mikronährstoffreiche Lebensmittelauswahl für mich die Basis und der Start in der Zahnmedizin und nicht per se der perfekte Supplementcocktail.
Fazit – Zahngesunde Ernährung ist mehr als „kein Zucker“
Ich glaube das ist durchgekommen, dass gerade Mikronährstoffe in der Zahnmedizin deutlich mehr Zahnräder betätigen können als „nur“ die Einschränkung vom Zuckerkonsum, oder? Um den Mundraum von innen heraus zu stärken braucht es nicht nur ein gutes Gelichgewicht in der Auswahl von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten, sondern eben auch eine optimale Nährstoffversorgung. Praktischer Weise sorgen besonders mikronährstoffreiche Lebensmittel dafür, dass auch die Makronährstoffe sich anfangen einzupendeln und du bearbeitest zwei Bereiche mit nur eine Intervention. Denn Ernährung in der Zahnmedizin muss nicht nur für deine Patient:innen leicht sein, sondern auch für dich.