Es gibt für vieles in Deutschland Empfehlungen – so auch, wie viel Sonne wir für ausreichend Vitamin D brauchen. Aber reicht das auch aus wissenschaftlicher Sicht? Und ist dir ‚ausreichend‘ in der Zahnarztpraxis wirklich genug?

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ToggleSo viel Sonne brauchst du – Offizielle Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz
So wie es für TK-Gemüse Vorschriften gibt, gibt es auch für das Sonnenbad Empfehlungen von offizieller Seite – zum Glück! Denn in dem Chaos von Sonnencreme-Liebe bis -Hass, Hautkrebs-Prävention und Vitamin D-Mangel kann man schonmal verloren gehen, wenn man doch nur mal eben gucken wollte, ob die Sonneneinstrahlung für genug Vitamin D bei deinen Patienten in der Zahnmedizin sorgt.
Das ist die offizielle Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz:

Realistische Einschätzung der offiziellen Empfehlung für Vitamin D durch die Sonne
Je nach Lebensstil kann man das schon schaffen, oder? Gut, die Uhrzeit schränkt ein bisschen ein. Aber nur 2 – 3 Mal die Woche mittags in die Sonne gehen für einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel – das klingt mit dem Wochenende schon machbar. Gehst du nun vor oder nach deinem Praxisdienst (Vor- oder Nachmittag) in die Sonne, musst du die für dich geltende Dauer der Vitamin D-Tanken-Zeit verdoppeln. Gilt aber natürlich nur im Sommer, denn:
Faustformel: Wenn dein Schatten kürzer ist, als du selbst, steht die Sonne gerade so hoch, dass du über deine Haut Vitamin D produzieren kannst.
Wie lange du persönlich in die Sonne gehen musst, ist abhängig von deinem Hauttypen. Hier kannst du einen kostenfreien Test machen: Hauttypentest
Reicht die Sonne für den Vitamin-D-Bedarf – auch in der Zahnmedizin?
Aber ist dein Bedarf dadurch auch aus wissenschaftlicher Sicht gedeckt? Und reicht das, um sich die positiven Effekte von Vitamin D in der Parodontologie und Implantologie zu Nutze zu machen?
Naja, also wenn du so direkt fragst, dann lass‘ uns nicht lange um den heißen Brei herumreden: Nein.
Vitamin D-Bedarfsdeckung aus wissenschaftlicher Sicht
Es gibt hier eine sehr schöne Studie aus Boston. Boston liegt auf dem gleichen Breitengrad wie Barcelona. Warum das wichtig ist? Da Barcelona deutlich südlicher liegt als jeglicher Zahnarztpraxis in Deutschland und je näher du dich am Äquator befindest, desto steiler steht die Sonne das ganze Jahr über, ergo: Deine Patienten können länger im Jahr Vitamin D selber über die Haut produzieren.
Boston also. Das Team der Forschenden hat überprüft, wie sehr der Vitamin D-Spiegel im Blut ansteigt, wenn ein bestimmter Hauttyp für eben die von dem Bundesamt für Strahlenschutz angegebene Zeit in der Mittagssonne verbringt.
Ein Hauttyp III (langsame aber fortschreitende Bräunung, keine Sommersprossen, manchmal Sonnenbrand, sogenannter „Mischtyp“) musste zur Mittagssonne um 12 Uhr 3 – 8 Minuten in der Sonne sein, um 400 IE Vitamin D zu produzieren.26
Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, also die Fachgesellschaft, die die offiziellen Referenzwerte für Vitamin D und andere Mikronährstoffe in Deutschland ausgibt, empfiehlt 800IE Vitamin D pro Tag. Über diese Menge kann man diskutieren, aber das machen wir dann mal an anderer Stelle.
Mit 3 – 8 Minuten schafften die Probanden also 400 IE. Der Tagesbedarf von Vitamin D ist damit noch lange nicht gedeckt und über den Aufbau eines Vitamin D- Speichers brauchen wir bei dieser Menge noch gar nicht reden.
Natürlich kann die Aufenthaltsdauer in der Sonne einfach verlängert werden. Aber die Angabe „2 – 3 Mal in der Woche“ rückt für mich durch diese Studie in ein anderes Licht.
Terushkin V, Bender A, Psaty EL, Engelsen O, Wang SQ, Halpern AC. Estimated equivalency of vitamin D production from natural sun exposure versus oral vitamin D supplementation across seasons at two US latitudes. J Am Acad Dermatol, 2010, 62(6).

Ich habe das alles auch mal ganz unwissenschaftlich selbst ausprobiert, das Ergebnis:
Selbstexperiment mit der Sonne für ausreichend Vitamin D
Im Sommer 2024 ging’s los:
30 Tage, wenn möglich immer für min. 15 Minuten in die Sonne gehen.
Ohne Sonnencreme wohlgemerkt, denn schon ein Lichtschutzfaktor von 8 reduziert die Syntheserate um 97% (kann man Sonnencreme mit so niedrigem Faktor überhaupt kaufen?).
Ich habe meinen Vitamin D-Wert am ersten Tag gemessen und am letzten Tag. Wegen meiner Tätigkeit als Referentin zu Vitamin D und Mikronährstoffen in der Implantologie und Parodontologie habe ich ein Selbsttestgerät für Vitamin D zu Hause, was in meinen Praxisschulungen zum Einsatz kommt.
Vitamin D-Schnelltest
Ich habe also einen Schnelltest gemacht und sieht da: Mein Vitamin D-Wert lag an Tag 0 bei 35 ng/ml. Ich hatte vorher schon nicht mehr supplementiert, um meinen Wert in einen Bereich fallen zu lassen, der relativ normal für die deutsche Gesellschaft ist. Eigentlich ist er dafür noch ein bisschen zu hoch.

30 Tage Sommersonne haben meinen Vitamin D-Wert verändert.
Ergebnis meines Vitamin D-Selbstexperiments:
Nach 30 Tagen teils wechselhaftem Wetter, aber deutlich mehr Sonne als ich vermutet hätte, lag mein Wert am Ende des Experiments bei 47 ng/ml.
Ist das nun viel? Ich finde nicht. Denn ich musste mich schon wirklich disziplinieren, um immer zur richtigen Zeit in die Sonne zu gehen, Regenfenster abpassen, gerade der Juni war da ja eher wie ein April. Es hat sich für mich also nach Aufwand angefühlt, der gerade mal mit einem Anstieg von 12 ng/ml belohnt wurde.
Was der Wert aber natürlich bestätigt: Es ist möglich, über die Sonne seinen Vitamin D-Wert im Sommer reell anzuheben. Und wenn ich persönlich eine feste Mittagspausenzeit hätte, würde es mir auch leichter fallen, mich zu der richtigen Zeit in der Sonne aufzuhalten. Aber überlege mal, wie das bei deinen Patienten aussieht. Oder bei dir selbst.
Vergiss‘ dabei bitte nicht:
Ausreichender Vitamin D-Wert ≠ Optimaler Vitamin D-Wert
Die Serumwerte von Vitamin D sind ein riesen großes Diskussionsthema, auch in der Zahnmedizin. Falls du schonmal versucht hast hier Klarheit zu erlangen und frustriert aufgegeben hast: Das ist ganz normal.
Und auch in diesem Fall, war dein Ergebnis aber nicht optimal, oder?
Normal ≠ Optimal
Wie oft habe ich schon den Satz gehört „Mein Hausarzt hat gesagt der Wert ist normal.“? Ich kann’s nicht mehr rückverfolgen. Aber wir beide können die Zukunft zumindest ein bisschen beeinflussen, indem du es nun auch in der Zahnmedizin auf dem Schirm hast.
Überleg‘ gerne nochmal: Wir haben bisher immer von ‚ausreichenden‘ Vitamin D-Werten gesprochen. Aber ‚ausreichend‘ ist in der Schule gerade mal bestanden, mit dieser Leistung noch durchgekommen, ist okay, aber mehr auch nicht. Ich kenne keine Zahnarztpraxis, die ihren Anamnesebogen so gestaltet. Oder ihre Praxis so einrichtet. Geschweige denn ihr Team nach dem Schema schult.
Was ist ein guter oder optimaler Vitamin D-Wert für die Zahnmedizin?
Ich könnte hier jetzt Zahlen in den Raum stellen. Glaube aber nicht, dass dir damit endgültig geholfen wäre. Denn „Hat Katrin gesagt.“ ist kein gültiges Argument in einer Diskussion unter Kolleg:innen zu Vitamin D. Ich finde es viel besser, wenn du dir selbst eine Meinung bilden kannst und unterstütze dich gerne dabei. Anfang 2025 habe ich über 200 Studien (dank KI ging das so viel schneller als sonst) durchforstet – zu Vitamin D in der Implantologie, in der Parodontologie, der Kariologie, der Demenzforschung, bei psychischen Erkrankungen, in der Krebstherapie uvm. Zu allem, was PubMed und Co. mir ausgespuckt haben.
Ich habe die KI raussuchen lassen, was in den Studien zu welchen Serumwerten bekannt ist und danach gefiltert, ob ich mir die Studie nochmal selbst genau angucke. Aus den gewonnenen Erkenntnissen zu den Serumwerten von Vitamin D habe ich eine Tabelle erstellt, die ich für 0 € zur Verfügung stelle, nachdem du dich auf meine Interessentenliste für meinen Onlinekurs „Vitamin D in der Zahnmedizin“ eingetragen hast. Falls dich der Onlinekurs als Fortbildung nicht interessiert, kannst du dich natürlich auch sofort wieder abmelden, nachdem du das PDF runtergeladen hast.
Mit der Tabelle kannst du dir selbst eine Meinung bilden. Und genau das ist neben Wissensvermittlung zu Mikronährstoffen in der Implantologie und Parodontologie eins meiner wichtigsten Ziele.